Königsbrunn – Go 10.30

Eine Kirchengemeinde – zwei Kirchen und mehrere Pfarrer. Macht es da Sinn jeden Sonntag in beiden Gottesdiensträumen denselben Gottesdienst zu feiern? Die Antwort lautete Nein und stand am Beginn eines Prozesses, den die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Königsbrunn seit dem März 2010 miteinander geht. Seit Dezember 2010 werden jeden Sonntag zwei unterschiedliche Gottesdienstformate angeboten und damit auch unterschiedliche Menschen angesprochen. In der St. Johanneskirche um 9.00h mit einem klassischen Gottesdienst mit Orgel und Chorälen aus dem EG und um 10.30h im Martin-Luther-Haus mit dem Go.10:30, einem Kreativ-Gottesdienst mit Band und Musik und Liedern aus dem Pop-Bereich

Nach dem Beschluss des Kirchenvorstandes zur Umsetzung im März 2010 wurden Arbeitsgruppen eingerichtet. Eine kümmerte sich um die Renovierung des Martin-Luther-Hauses. Ein andere plante und organisierte die technische Ausstattung. Nachdem die Orgel verkauft war, wurde das Martin-Luther-Haus mit einer hochwertigen Musikanlage ausgestattet (Beratung durch den Popularmusikverband). Schlagzeug, Stage-Piano, Bass- und Gitarren-Amp, Mikros, Monitore, Großbildleinwand, ein hochwertiger Beamer und weitere Technik wurden beschafft und fest installiert. Ein Technikraum mit Fenster, von dem aus der Ton über ein digitales Mischpult gemischt und alles was über den PC an die Leinwand projiziert werden soll, wurde eingerichtet.

Parallel entwickelte eine inhaltliche Planungsgruppe ein neues Gottesdienstkonzept. Dabei sollten auch Menschen für eine Mitarbeit gewonnen werden. Der Popkantor des Dekanates Augsburg stand bei einigen Treffen und Sitzungen beratend zur Seite und brachte seine Fachkompetenz ein. Die Arbeitsgruppe traf sich mehrfach, entwickelte mehrere Flyer und führte außerdem einen eintägigen Kreativworkshop durch. Mitte 2011 sind über 20 Personen mit großer Begeisterung und persönlichem Gewinn im Kreativteam engagiert, das allen offen steht, die gerne mitmachen möchten.

Neben der inhaltlichen Planungsgruppe startete Pfarrer Alan Büching auch eine Liedauswahlgruppe, der auch der Popkantor Hans-Georg Stapff angehörte. Eine Vielzahl von Liedern wurde gesichtet und nach verschiedenen Kriterien (z.B. Textaussage, Sprache, Singbarkeit etc) ausgesucht. Für die Bands wurden sogenannte „song sheets“, die über eine nicht öffentliche Internetseite abrufbar sind, erarbeitet. Ein Gemeindeglied mit entsprechendem Knowhow wurde beauftragt die Liedfolien für die Leinwand zu erstellen.

Damit entwickelte sich aus einem Gottesdienst, der früher fast ausschließlich von Hauptamtlichen (also Personen, die dafür bezahlt werden) geplant und gestaltet wurde, ein Gottesdienst, an dem ganz viele Menschen mitwirken und ihre Gaben einbringen. Aus einem „normalen“ Gottesdienst ist für alle Beteiligten ihr Gottesdienst (und nicht mehr: „der Gottesdienst von Pfarrer XY“) geworden. Eine große Anzahl von Bands und MusikerInnen aus der Gemeinde und aus Nachbargemeinden wechseln sich ab. Die Mitarbeitenden im Kreativteam empfinden es als große Bereicherung sich zu den Bibeltexten (richten sich nach der Perikopenreihe) kreative Ideen und Impulse zu überlegen. Und der Kirchenvorstand ist Gott dankbar, dass durch dieses neue Konzept neuer Schwung in die Gemeindearbeit gekommen ist und dass sich Menschen beteiligen – sowohl als Besucher, als auch als Mitarbeitende – die bisher nicht im Blick waren.

Gespannt war man auf die Rückmeldung der Gottesdienstbesucher. Pfarrer Alan Büching hatte aufgrund der Erfahrungen der Kirchengemeinde in Lauf bei Nürnberg, die vor 6 Jahren ein ähnliches Konzept umsetzte, immer die Hoffnung geäußert, dass der Gottesdienstbesuch zunimmt, sich vielleicht sogar verdoppelt. Hier wurden die Aktiven mehr als überrascht. Der Durchschnittsbesuch im ersten Jahr lag im Vergeich zum traditionellen Gottesdienst bei etwa viermal so vielen Besuchern. Darunter waren alle Generationen vertreten. Bis auf ganz wenige Ausnahmen bekam der Go10.30 dabei ein sehr positives Echo.

Die wesentlichen Punkte für Prozess und Gottesdienst im Überblick:

Die bisherige Gottesdienstzielgruppe darf nicht aus den Augen verloren werden. In der Johanneskirche ist ihr eine adäquate Möglichkeit zu geben Gottesdienst zu feiern, wie diese Gruppe Gottesdienst kennt und mag. Gleichzeitig ist im Martin-Luther-Haus ein alternativer Gottesdienst zu feiern, der für eine andere Zielgruppe attraktiv sein kann: Schwerpunktmäßig für Menschen von 25 bis 55 Jahren, für Konfirmandeneltern, Konfirmanden, Konfimitarbeiter, Familien mit Kindern.

Schwerpunkt ist dabei: eine andere Musik, kreative Teile, Kinder- und Kontaktfreundlichkeit, Ansprechen von Gefühlen, erlebbare Freude an Gott.

 

Was bleibt wie bisher:

• Die „Liturgie“ dieses Gottesdienstes orientiert sich an G1 (siehe Evangelisches Gesangbuch S. 1119 bis 1135): Eröffnung/Anrufung – Verkündigung/Bekenntnis – Abendmahl – Sendung/Segen

• Selbstverständlich: Glaubenbekenntnis und Vaterunser

• Der vorgesehene Predigttext und das Thema des Sonntags bleiben wie bisher

• Gott wird gelobt durch Lieder und Musik

• Gebete (Eingang und Fürbitten) gehören dazu

• Stille und meditative Elemente

• Der Pfarrer feiert mit der Gemeinde im Talar

• Die wirklich guten Lieder aus EG und Silberpfeil können einfließen

 

Was ändert sich:

• Starke Beteiligung von Mitarbeitern (Moderation, Begrüßung, Kreativteil, Gebete, Liedauswahl, Musik, Technik) – jeden Sonntag.

• Viel neues Liedgut

• Liedtexte werden an eine Leinwand geworfen (kein Buch oder Heft!)

• Musikstil: Pop. Rock, Gospel, Soul

• Vorsänger/innen leiten die Gemeinde beim Singen an.

• Band statt Orgel

• Kreativteil (Anspiel, Interview, Zeugnis, Film, Bild, Gegenstand, Symbol)

• Einsatz von Medien

• Mehr Kreativität, mehr Emotionalität, spürbare Freude, freierer Ablauf

Konzept

Es geht hier weniger um ein Konzept, das wir kopieren oder verfolgen, als um einen Stil. Wir wollen in Königsbrunn das versuchen, was bei uns am besten geht und was wir am besten können. Dabei halten wir uns an drei wichtige Kommunikationsfaktoren: Partizipation – Visualisierung – Kreativität

Kreativteil

Hier geht es in der Regel weniger um ein Anreißen von Fragen zum Thema, als um eine Möglichkeit auf kreative Weise den Glauben auszudrücken. Das kann durch Anspiel, Pantomime, Kindertanz, ein bewegendes Interview, eine Zeitschriften-Collage an die Leinwand projiziert, eine selbst geknipste Fotostory, ein Filmausschnitt, ein Gegenstand/Symbol, ein Bild, ein kurzes Quiz oder eine entwaffnende Geschichte sein. Das kreative Element des Gottesdienstes soll eine bibel- und lebensnahe Predigt unterstreichen, unterstützen und ergänzen.

Kreativteam

Das Kreativteam arbeitet wie ein Mitarbeiterpool. Aus diesem Pool melden sich jeweils 2 Personen für einen Sonntag. Spätestens 2 Wochen vor dem Gottesdienst treffen sie sich für eine Stunde mit dem Prediger des Gottesdienstes, lesen die Texte (Evangelium/Epistel und Predigtext), tauschen erste Gedanken aus und entwickeln dann Ideen für den Gottesdienst. Thema, evtl. Ideen des Gottesdienstes und erste Liedvorschläge werden an das Liedauswahlteam weitergeleitet, das dann passende Lieder heraussucht. Das Kreativteam ist außerdem zuständig für eine angenehme Atmosphäre. Das reicht von guter CD-Musik vor dem Gottesdienst, über die Begrüßung an der Kirchentür, eine offizielle Begrüßung im Gottesdienst, eine angenehme, persönliche Moderation und einem möglichen Kirchenkaffee im Anschluss. Darüberhinaus sollten die Gebete lebensnah, aktuell und persönlich gestaltet sein. Unterschiedliche Gebetsformen können einfließen. Schließlich ist das Kreativteam auch verantwortlich für ein kleines Dankeschön an Gäste (z.B. Interview) und Gastmusiker.

 

Gottesdienstablauf zum Download                                                                      Download (24.0 KiB)

 

Aktuelle Infos und Kontaktdaten für Nachfragen unter www.koenigsbrunn-evangelisch.de