Lauf – Christuskirche

Seit 2004 jeden Sonntag Bandmusik in der Kirche – wo gibt es das denn? Wo wechseln sich rund zehn Bands und 45 Musiker im Gottesdienst ab? Wo steht ein „zum Dienst am Lob Gottes“ geweihtes Schlagzeug? In der Laufer Christuskirche!

Der moderne Gottesdienst „C 1 – Ankommen. Aufatmen. Auftanken“ um 10.30 Uhr mit Bandmusik ist aus dem Gottesdienstangebot in Lauf an der Pegnitz (nahe Nürnberg) nicht mehr wegzudenken. Die Besucherzahlen haben sich im Schnitt verdreifacht, und das nicht auf Kosten der anderen Gottesdienste!

Was hier erzählt wird, mag in freikirchlichen Gemeinden gang und gäbe sein. Als so lange Serie innerhalb der Landeskirche jedoch, ist es eine kleine Sensation, die auch schon andere Gemeinden ermutigt hat. Einen entscheidenden Anteil an der Segensgeschichte „C1“ hat die Bandmusik! Knackig oder klagend, maienleicht oder majestätisch – so gehen die Songs ins Herz. Rund zehn feste Bands spielen je ein bis sechs mal im Jahr. Auch haben wir einen Musiker-“Pool“ von ca. 45 Leuten nach Instrumenten gesammelt, die auch bereit sind, eine Projektband des Sonntags zu bilden: „Mit wem spiel ich‘n?“ fragt da mancher vor dem blind date. Mittlerweile kennen sich die meisten, oft müssen nur ein bis zwei verhinderte Musiker einer festen Band ersetzt werden. Durch die guten Proben- und Spielmöglichkeiten haben sich auch neue Talente gefunden, so dass uns der Nachwuchs nicht ausgeht. Der Liedstil reicht, je nach Anlass und Position im Gottesdienstganzen, von Lobpreisliedern der Bücher „Feiert Jesus 1-4“ über eher verkündigende bis hin zu Themensongs, schließt aber bewusst auch manches ältere Lied-Juwel ein. Etwa zu Ostern und Weihnachten gibt es zwar gelungene neue Songs. Doch im Interesse der selteneren Gäste singen wir ein paar Klassiker, die oft „bandig“, doch naturgetreu singbar arrangiert werden. Bei Konzerten, Kindermusicals und Worship Nights kann man sich eher an kaum bekannten Liedern oder Soli „austoben“. Ausgesucht werden die Gottesdienst-Lieder in Rücksprache zwischen Team (Pfarrer/-in und zwei Ehrenamtliche) und Band. Mit der Dauer von 65-95 min. kann man‘s nicht jedem recht machen. Treibt Bandmusik ältere Jahrgänge hinaus? Im Gegenteil! Unser Altersspektrum liegt bei 0-93 Jahren. Viele „Fans“ sind weit über 70. Wir achten meist darauf, dass höchstens ein Lied in Englisch vorkommt (was übrigens auch vielen Schülern entgegen kommt) und dass die Lautstärke nicht konzertant, sondern zum Mitsingen ist, so dass man sich noch selbst hört. Schwerpunkt sind junge und mittlere Erwachsene, bzw. Familien. Unschätzbar wertvoll ist hierzu der parallele Kindergottesdienst in zwei bis drei Altersgruppen sowie der Eltern-Kind- Mithörraum mit Videoübertragung des Gottesdienstes. Das ermöglicht vielen jungen Familien den Besuch erst. Eine alte Videokamera und ein TV im Bau- container genügten, bevor das Gemeindehaus gebaut wurde.

Wie kam es zu dem Wandel? Äußerer Anlass war, dass die 1971 gebaute Christuskirche 2002 renoviert wurde und die alte EOrgel defekt war. Die Spenden reichten nicht für ein Zehntel der geplanten Pfeifenorgel. Hier hat unsere Gemeinde die Chance erkannt: Ein technikkundiger Kirchenvorsteher baute eine hochwertige Beschallung mit mittigem Subwoofer und zwei hängenden Mittel- und Hochtönern ein und stellte sein Mischpult auf die Empore. Die Anlage funktioniert „plug & play“: E-Piano, Schlagzeug, Mikros und Notenständern stehen da, dann stöpselt jeder sein Instrument ein – Soundcheck, fertig! Die meisten Musiker spielen, für Gott und zur Freude, kostenlos. Einige, die von weiter her anfahren müssen, bekommen Spritgeld. Es bedurfte einiger Argumente, um vom Pfarramt wenigstens das eingesparte Organistengeld für die laufenden Kosten zu bekommen. Nettes Detail für Schlagzeuger: Durch eine Spende haben wir ein Ludwig-Set mit kleiner Kesselgröße und passable Becken gekauft. Zum Dienst am Lob Gottes haben wir es offiziell geweiht, in Anlehnung an die „Weihe einer neuen Orgel“! (Lutherische Agende IV 1987, S.150 f.) Bitte Gleichberechtigung! Das Schlagzeug bleibt eine Herausforderung beim Spielen und Mischen. Sound-Puristen mögen mosern, aber die Trommel-Felle haben wir leicht abgeklebt. Die leiseren Rods anstatt Sticks sind oft eine Hilfe. Auch wenn E-Drums immer genialer werden, haben wir uns vorerst dagegen entschieden, weil viele Nutzer auch viel verstellen.

Konzeptioneller Impuls: Vor 2003 war die Besucherzahl auf ca. 50 gesunken. Da machte ein Ehrenamtlicher, der sich mit Marktforschung auskennt, bei uns eine Umfrage zu Gottesdienst-Bedürfnissen. Die Ergebnisse zeigten, dass wir die vier Gottesdienste pro Sonntag differenzieren sollten. Sicher war es von Vorteil, dass wir eine große Gemeinde mit über 9000 Gemeindegliedern und vier Pfarrstellen sind. Hier konnten wir eine der vier Gottesdienst-Stellen pro Sonntag ganz umgestalten, ohne den liturgischen Gottesdienst aufzugeben. Als unser Vorstoß Schule machte, entwickelte sich auch für die anderen evangelischen Kirchen Laufs ein eigenes Profil: in der Stadtkirche (und zwei Dorfkirchen) die klassische Kirchen- und Orgelmusik, auf dem Kunigundenberg meditativ sowie in St. Jakob mit Malerei, Literatur und der benach- barten KiTa. Statt viermal am Sonntag dasselbe Programm, findet fast jede(r) im „Haus“ unserer Gemeinde das eigene „Wohnzimmer“: Hier gehöre ich hin und weiß ungefähr, was mich erwartet. Weniger „Richtungssprengel“, eher stilistische Heimat.

Personelle Konzeption: Als ich Ostern 2003 auf die Pfarrstelle kam, brachte ich schon 17 Jahre Band-Erfahrung mit: in Schlagzeug, Gesang sowie ein bisschen Gitarre und Songwriting. Doch genügt auch ein Herz für die Sache. Am 21.9.2003 starteten wir die Reihe. Ein Glücksfall war und ist, dass vom ersten Tag an ein junges Ehepaar für jeden Sonntag ein ehrenamtliches Team sucht: Band, zwei Kreativkräfte, davon eine für die Beamer- Präsentation der Liedtexte, einen Mischer, bei aufwändigeren Events noch einen Beleuchter. Zuvor schon vom 9-Uhr-Dorfgottesdienst kommend, predige ich selbst oder ein(e) Pfarrer(in) aus dem Laufer Hauptamtlichen-Team.

Musik: In Sachen Bandmusik war die Laufer Kirchengemeinde schon länger Vorreiterin: Sie erklang schon seit den 60er Jahren bei Evangelisationswochen, z.B. von den Christusträgern, und bei einzelnen Gottesdiensten. Seit 1997 gibt es ca. acht mal jährlich einen „OpenDoor“-Gottesdienst sonntags um 17 Uhr, ebenfalls mit Bandmusik, ein aufwändiger „seeker service“ für Kirchenferne. Doch war es ein Wagnis, den C1 jeden Sonntag als „seeker sensible“, also mit gesenkten Schwellen für Gäste, aber vertiefend und geistlich weiterführend für die Kerngemeinde, mit Band zu gestalten. Auch besondere Events wie der alljährliche „Kabarett-Gottesdienst“mit zuletzt 500 Gästen oder unsere regelmäßigen „Gebetsgottesdienste für Kranke“ profitieren enorm von einfühlsamer Bandmusik. In dieser „großen Familie“ werden zunehmend auch Taufen etc. begangen. Ohne jemals abwerben zu wollen, wurden wir zur Oase auch für einige katholische und heimatlose freikirchliche Christen.Der Name der Reihe ist übrigens der Gottesdienstform „G1“ im bayrischen Gesangbuch entlehnt, weil „C1“ unser Normalgottesdienst an der Christuskirche ist. Vor allem aber, weil, auch im andern Stil, Jesus Christus unsere Nummer eins ist, was sich in biblischer Tiefe und einladender Herzlichkeit ausdrücken soll. Musikstile sind keine „Wunderwaffe“. Auch wenn für mein Musiker-Ohr die Qualität zwischen erlesen und „ordentlich“ wechselt: Mehr kommt es mir auf die geistliche Qualität an, ob eine Band der singenden Gemeinde die Begegnung mit Gott ermöglicht und auch selbst lebt. Dann kann es zu Wundern kommen: Eine junge Frau aus der Nachbarschaft war nach dem Beziehungskrieg Ihres Ex psychisch krank und konnte nicht mehr aus der Wohnung bis sie durchs gekippte Fenster unserer Kirche immer wieder Glaubenslieder hörte. So kam sie in den Gottesdienst und stutzte: „Das war alles wie für mich gemacht“. Sie wurde mit Gottes Hilfe wieder froh und ist heute eine treue Mitarbeiterin.

 

Infos unter www.lauf-evangelisch.de

 

Diese Infos stammen von Pfarrer Thomas Stephan Hofmann und wurden vom Onlineredaktionsteam aufbereitet.