Musikgottesdienst St.Markus

Vorgeschichte

Der Musikgottesdienst St. Markus, ein Gottesdienstmodell für innerstädtische Großstadtgemeinden, geht zurück auf eine Idee der Diakone Dietmar Frey und Harald Braun für die Rummelsberger Brüderschaft, sowie Thomas Nowack vom Popularmusikverband. Leitgedanke dabei war: wie erreichen wir im Dekanat München mit einem Gottesdienst Insider und Kirchenferne, die sich mit bekannten Formen wenig identifizieren, schlecht oder gar nicht ansprechen lassen. Dabei spielten bei den Beteiligten unterschiedliche Gesichtspunkte eine Rolle. Diakon Braun kam aus der Jugendarbeit mit häufig unbefriedigenden Gottesdiensten für diese Zielgruppe. Diakon Frey sah sich, als persönlicher Referent der Stadtdekanin, immer wieder mit innerstädtischen Sondersituationen konfrontiert. Thomas Nowack bekam von Bands und Gospelchören die Rückmeldung, warum es nicht Formen der gottesdienstlichen Beteiligung gäbe, in denen Musik nicht immer nur nettes „Beiwerk“ wäre. Ganz abgesehen davon, das mit gutgemachter Rock- und Popmusik, sowie einer modernen Liturgie doch der ein und andere Gottesdienstbesucher zu locken wäre, den man sonst nicht im Gottesdienst treffen würde.

Konkretion

Der ökumenische Kirchentag in München 2010 war dann mit seinem innerstädtischen Feierabendmahl so etwas wie ein Katalysator. Nach intensiven Vorgesprächen startete man im Oktober 2010 mit einem Modellprojekt, das sechs Abendgottesdienste im Rahmen des Winterhalbjahres 10 / 11 vorsah. Jeweils Dienstagabend (!) von 19.30h – 21.00h sollte in der neu renovierten Markuskirche (Innenstadtlage in der Nähe der Museumsmeile) ein Gottesdienst in einer offenen liturgischen Form mit Band und Gospelchor, „Dialogpredigt“, Feierabendmahl und Kirchenbistro stattfinden. Der Anteil von Musik und Text sollte etwa im Verhältnis 1:1 stehen. Um einen stabilen musikalischen Background zu gewährleisten entschied man sich mit einer Begleitband für alle Gottesdienste zu arbeiten. Außerdem musste auch die Technik jedes Mal mitgebracht und gefahren werden. An eine bandtaugliche Technik hatte man beim Umbau der Kirche nicht gedacht.

Gottesdienstablauf und Liturgie

Um den Gottesdienstbesuchern ein wiedererkennbares (musikalisches) Gerüst zu bieten, entschied man, die Gottesdienste immer nach demselben (liturgischen) Ablauf zu gestalten. Musikalisch legte man sich dabei auf dasselbe Eingangsstück, Vaterunser- und Segenslied fest. Außerdem hatte die Band ein weiteres Gemeindelied, ein Sololied und die musikalische Umrahmung der Einsetzungsworte und der Austeilung zu übernehmen. Die Liturgie orientierte sich im wesentlichen an wichtigen liturgischen Eckpunkten. Gestartet wurde mit einem geistlichen Impuls, der durch eine dialogische „Predigt“, die mehr in der Form eines Interviews aufgebaut war, ergänzt wurde. Dazu war jedes Mal ein anderer Gast aus einem kirchlichen Arbeitsbereich eingeladen. Das Feierabendmahl nahm den zeitlich größten Rahmen ein. Im Anschluss daran rundete eine Mitmachaktion der Gottesdienstbesucher den geistlichen Teil ab. Im Mittelpunkt des im übrigen frei bestuhlbaren Gottesdienstraumes war eine Kerze aufgestellt, die am Beginn des Gottesdienstes entzündet wurde. Hier konnte man im Rahmen der Aktion selber Teelichter entzünden und ein leises oder lautes Gebet sprechen. Zu jedem Gottesdienst wurde neben der festen Band ein Gastgospelchor eingeladen. Im Lauf des Gottesdienstes waren, um unnötige Auf- und Abtritte zu vermeiden, zwei Flächen geschaffen worden, in denen die Chöre insgesamt sechs Lieder singen konnten. Das Segenslied am Schluss sangen und spielten Band und Chor gemeinsam. Alle Gastchöre konnten auf das technische Equipment der Band zurückgreifen. Auch hier um aufwendige Auf- oder Umbauten zu vermeiden.

Gottesdienst plus

Dass Gottesdienst mehr ist, war durch die Klammer des Kirchenbistros gewährleistet. Vor und nach dem Gottesdienst bestand die Möglichkeit im Kirchenraum an Tischen im Eingangsbereich einen kleinen Imbiss einzunehmen und miteinander ins Gespräch zu kommen, sozusagen ein- und auszuschwingen.

Fazit

Nach der Anfang 2011 zu Ende gegangenen Probephase mit anschließender Evaluierung stand fest: Der Gottesdienst hatte einen Durchschnittsbesuch von rund 100 Personen pro Gottesdienst (exklusiv der teilnehmenden Chöre und sonstigen aktiven Gottesdienstbeteiligten). Das war für ein nicht bekanntes neues Gottesdienstformat an einem normalen Wochentag in einer Innenstadtkirche ein beachtliches Ergebnis. Form und gewählter Zeitrahmen sprachen die Gottesdienstbesucher in vollem Umfang an, wie vielen Rückmeldungen zu entnehmen war.

Der Aufwand (jedes Mal Technikaufbau, viele Beteiligte, etc.) ist hoch, wird aber durch die hohe Besucherzahl gerechtfertigt. Ein weiteres Argument für den Aufwand ist die Tatsache, dass es sich um eine Initiative des Dekanates handelt, die eben speziell über Gemeindegrenzen hinausgehen soll (und dies mit einem Gottesdienst und nicht mit einem anderen Angebot, wie Konzerte, Sonderveranstaltungen, o.ä.).

Die Herausforderung ist die Werbung für einen Gottesdienst zu einem ungewöhnlchen Zeitpunkt. Als effektivste Werbemaßnahme kristallisierte sich die Werbung über die persönlichen Verteiler der Beteiligten heraus. War ein so Eingeladener überzeugt, brachte er zum Folgegottesdienst meist weitere Gäste mit. Nach fünf Jahren hat sich außerdem eine „Fangemeinde“ gebildet, die sogar inklusiv ist. Regelmäßig besuchen Menschen mit Handicap dieses Angebot.

Einen Eindruck und alle aktuellen Termine kann man über eine eigene Facebookseite bekommen.

 

Gottesdienststandardablauf  zum Download                                                                Download (31.5 KiB)

 

Ansprechpartner für Nachfragen:

Thomas Nowack unter thomas.nowack@popularmusikverband.de